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Greenwashing – wie nachhaltig ist nachhaltig?

6 Minuten Lesezeit
INHALTSVERZEICHNIS
Was ist Greenwashing?
Wofür stehen die Begrifflichkeiten?
Regulierungslücke ausgenutzt
Finanzaufsicht sieht Regeln vor
So kannst Du nachhaltiges Greenwashing enttarnen
Nachhaltigkeit liegt voll im Trend! Auch vor der Finanzwelt macht dieser Hype keinen Halt. Viele Fonds locken deshalb mit dem Nachhaltigkeitslabel ESG für angeblich besonders umweltfreundliche Finanzanlagen. Leider stecken dahinter häufig schmutzige Geschäfte, dies bezeichnet man als Greenwashing. Was genau sich hinter diesem Begriff verbirgt und wie Du Greenwashing erkennst, erfährst Du von uns.
Das Wichtigste in Kürze:
  • Greenwashing beschreibt den Versuch, Finanzprodukte (wie Fonds oder ETFs) als besonders umweltfreundlich darzustellen, ohne dass sie tatsächlich nachhaltig sind. Oft werden nur oberflächliche Merkmale betont, während die Fonds in umweltschädliche Branchen wie fossile Brennstoffe investieren.
  • Das ESG-Label steht für ökologische, soziale und Governance-Kriterien, aber die Definition und Anforderungen sind unklar, was Missverständnisse fördert. Aufgrund einer Regulierungslücke können Fonds bereits als nachhaltig gelten, wenn sie eigene Nachhaltigkeitskriterien definieren, die jedoch oft wenig konkret sind.
  • Nachhaltige Finanzprodukte sollten transparent und detailliert angeben, in welche Unternehmen sie investieren, und klare Ausschlüsse, wie z.B. fossile Brennstoffe oder Kinderarbeit, kommunizieren. Bei Greenwashing-Angeboten bleiben diese Informationen oft vage und sind im Kleingedruckten versteckt.

Was ist Greenwashing?

Laut Definition ist Greenwashing der Versuch, ein Produkt, in unserem Falle Fonds und ETFs
, besonders umweltbewusst und umweltfreundlich darzustellen. Bedeutet: Fonds, wie beispielsweise der Europe Energy ESG Screened ETF, tragen das ESG-Siegel und wirken für ein ungeschultes Auge nachhaltig. Dahinter verbirgt sich jedoch ein reiner Öl- und Gasfonds. Es wird ausschließlich in fossile Energie investiert. Es wird oft nur oberflächlich auf umweltfreundliche Merkmale hingewiesen, ohne eine echte positive Wirkung zu erzielen.
Das ESG Label
ESG bedeutet ausgesprochen Environmental Social Governance
, zu Deutsch: ökologische und soziale Gesichtspunkte sowie Standards der guten Unternehmensführung. Dieses Label soll besonders umweltfreundliche und nachhaltige Fonds kennzeichnen. Die genaue Definition von ESG ist jedoch nicht immer einheitlich, was zu Missverständnissen führen kann.

Wofür stehen die Begrifflichkeiten?

Environmental

  • Investitionen in erneuerbare Energien
  • Effizienter Umgang mit Energien und Rohstoffen
  • Umweltverträgliche Produktion
  • Geringe Emissionen in Luft und Wasser
Ein echter Fokus auf Umwelt würde eine konsequente Reduzierung von CO2-Emissionen und die Förderung nachhaltiger Projekte erfordern.

Social

  • Erhaltung zentraler Arbeitsrechte
  • Hohe Standards bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • Faire Bedingungen am Arbeitsplatz, angemessene Entlohnung sowie Aus- und Weiterbildungschancen
  • Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards bei Zulieferern
Echte Nachhaltigkeit schließt auch die Fairness gegenüber den Arbeitnehmern und die Einhaltung der Menschenrechte ein.

Governance

  • Transparente Maßnahmen zur Verhinderung von Korruption und Bestechung
  • Verankerung des Nachhaltigkeitsmanagements auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene
  • Verknüpfung von Vorstandsvergütung mit dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen
  • Der Umgang mit Whistleblowern
Wahre Nachhaltigkeit wird durch eine klare Governance-Struktur unterstützt, die ethische Unternehmenspraktiken gewährleistet.
Nachhaltig investieren
Wie Du nachhaltige Banken findest, liest Du in unserem Ratgeber „Nachhaltige Banken“.

Regulierungslücke ausgenutzt

Fonds als „nachhaltig“ zu bezeichnen, ist nicht illegal. Dies hat mit einer Lücke in der EU-Regulierung zu tun. Die Regelung erlaubt es, Finanzprodukte bereits dann als nachhaltig zu bezeichnen, wenn sie transparent machen, nach welchen Kriterien der Fonds Nachhaltigkeit definiert. Die derzeitigen regulatorischen Standards sind unzureichend, um sicherzustellen, dass Fonds wirklich nachhaltig sind.
Diese Kriterien können Anbieter bisher selbst definieren. In unserem oben genannten Beispiel des Europe Energy ESG Screened ETF gibt der Vermögensberater hier als Nachhaltigkeitskriterien
den Ausschluss von Waffen, Tabak und Kohleabbau an. Jedoch wird keine klare Aussage zu fossilen Brennstoffen getroffen, was den "nachhaltigen" Anspruch in Frage stellt.

Finanzaufsicht sieht Regeln vor

Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) wird Nachhaltigkeit immer mehr zum Verkaufsargument. Nicht immer seien die Finanzprodukte, die als nachhaltig bezeichnet werden, tatsächlich ökologisch oder sozial ausgerichtet. Um Greenwashing vorzubeugen, hat die BaFin den Entwurf einer Richtlinie für nachhaltige Investmentfonds veröffentlicht.
Betroffen sind vor allem Fonds, die Begriffe wie „ESG“, „sustainable“ oder „green“, sowie deren deutschsprachige Pendants im Namen tragen. All diese Fonds müssen künftig einen Anteil von mindestens 75 Prozent an nachhaltigen Assets vorweisen. Diese Regelung könnte dazu beitragen, Greenwashing zu verhindern, erfordert jedoch ständige Kontrolle und Anpassung.
Depot
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Smartbroker+
Smartbroker
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finanzen.net zero
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Prämie
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Orderkosten pro Ausführung
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So kannst Du nachhaltiges Greenwashing enttarnen

Die nachhaltigen Geldanlagen werben mit „Nachhaltigkeit“

Auch echte nachhaltige Anlagen werben mit Nachhaltigkeit. Sie legen im Vergleich zu Greenwashing-Unternehmen jedoch sehr transparent dar, was genau sie damit meinen. Schließt der Fonds ausdrücklich aus, dass in Unternehmen investiert wird, die mit Waffen, Rüstung, Atomkraft oder der Förderung und Verbreitung von Kohle, Gas oder Öl zu tun haben? Sind Kinderarbeit und Arbeitsrechtsverletzungen ebenso ausgeschlossen wie die Investitionen in industrielle Massentierhaltung, Glücksspiel und Pornografie?
Je klarer sich Banken und Fonds positionieren, desto glaubwürdiger sind sie. Wer nicht ausdrücklich Öl und Kohle ausschließt, investiert höchstwahrscheinlich in sie. Ein detaillierter Blick auf die Unternehmenspraktiken und Investitionsstrategien ist notwendig, um Greenwashing zu vermeiden.

Die Banken oder Geldanlagen bleiben ungenau darin, in was sie konkret investieren

Du möchtest natürlich genau wissen, welche Unternehmen eigentlich finanziert werden. Genau hieran lassen sich Greenwashing-Angebote erkennen: Ihre Angaben befinden sich im Kleingedruckten. Und wer liest schon gerne das Kleingedruckte?
Bei wirklich nachhaltigen Geldanlagen musst Du das nicht, denn ihr Motto lautet Transparenz!
Weitere Ratgeber