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Negativzinsen: Wenn Banken ein Verwahrentgelt für Guthaben verlangen

6 Minuten Lesezeit
INHALTSVERZEICHNIS
Was sind Negativzinsen?
Welche Banken verlangen Negativzinsen?
Was tun, wenn meine Bank Minuszins verlangt?
Girokonto, Tagesgeld, Depot: So kombinierst Du sinnvoll
Negativzinsen waren aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB lange Zeit ein Aufregerthema. Kein Wunder: Wer will schon Geld dafür bezahlen, dass er sein Geld bei einer Bank lagern darf? In diesem Ratgeber erklären wir Dir, was genau Negativzinsen sind, warum sie eingeführt wurden und welche Möglichkeiten Du hast, um sie herum zu kommen.
Das Wichtigste in Kürze:
  • Negativzinsen oder Verwahrentgelte sind Gebühren, die Banken für die Verwahrung von Guthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten verlangen. Kunden zahlen Zinsen an die Bank, statt welche zu erhalten. Auf Sparkonten und Altersvorsorgeprodukte dürfen sie jedoch nicht angewendet werden.
  • Seit der Erhöhung des EZB-Leitzinses im Juli 2022 haben die meisten Banken Negativzinsen abgeschafft oder die Freibeträge deutlich erhöht. Aktuell sind nur noch wenige Kunden von Negativzinsen betroffen, meist bei sehr hohen Einlagesummen ab 500.000 Euro oder mehr.
  • Investitionen in Wertpapiere (ETFs, Fonds, Einzelaktien) oder Immobilien bieten Alternativen, um Negativzinsen zu umgehen und Renditen zu erzielen. Das "3-Konten-Modell" mit Girokonto, Tagesgeld und Depot hilft zudem, Geld sinnvoll zu verteilen. Finde das passende Girokonto in unserem Girokonten-Vergleich.

Was sind Negativzinsen?

Negativ- oder Minuszinsen werden von Banken für das Geld erhoben, das sie für Dich verwahren. Im Preis-Leistungsverzeichnis Deiner Bank findest Du sie in der Regel unter dem Begriff Verwahrentgelt. Konkret bedeutet das: Erhebt Deine Bank Negativzinsen, erhältst Du keine Zinsen für Dein Geld, sondern musst Zinsen an die Bank zahlen.
Negativzinsen werden auf Einlagen erhoben, die Du auf Deinem Giro- oder Tagesgeldkonto geparkt hast. Auf Sparkonten oder Finanzprodukte, die speziell der Altersvorsorge dienen, sind sie nicht zulässig.
Negativzinsen heißen oft Verwahrentgelt
In den Preis- und Leistungsverzeichnissen der Banken suchst Du den Begriff Negativzins oft vergeblich. Stattdessen erheben die Banken ein Verwahrentgelt oder Verwahrgeld. Klingt vielleicht harmloser, ist faktisch aber dasselbe.

Welche Banken verlangen Negativzinsen?

Noch vor Kurzem kamst Du um Negativzinsen praktisch nicht herum: Bis auf wenige Ausnahmen wurden sie von jeder Bank teilweise schon ab geringen Einlagesummen ab 5.000 Euro erhoben.
Seit der Erhöhung des Leitzinses durch die EZB ist das anders. Die Banken setzen den Freibetrag wieder deutlich höher, so dass Du als Privatanlegerin oder Privatanleger 100.000 Euro oder sogar deutlich mehr auf Deinem Konto geparkt haben müsstest, um Negativzinsen zahlen zu müssen. Die meisten Banken haben das Verwahrentgelt mittlerweile ganz abgeschafft oder haben das in naher Zukunft vor.
Tipp: Blick ins Preis- und Leistungsverzeichnis
Wenn Du wissen willst, wie es Deine Bank mit den Negativzinsen hält, musst Du ins Preis- und Leistungsverzeichnis schauen und nach Verwahrentgelt suchen. Ist Dir das zu aufwendig, wird Dir sicherlich auch der Kundensupport Deiner Bank Auskunft geben.

Negativzinsen in der jüngeren Geschichte oder: Warum Banken Strafzinsen verlangen

Seit 2000 senkte die EZB den Leitzins immer weiter. Der Grund: eine negative Inflationsrate und eine schwache Wirtschaftsentwicklung. Mit der Senkung des Leitzinses sollte die Wirtschaft angekurbelt werden, denn so konnten die Banken ihren Kundinnen und Kunden billige Kredite vermitteln.
Der Höhepunkt der Leitzinssenkung kam 2014. In diesem Jahr wurde er erstmals negativ, 2019 lag er bei -0,5 Prozent. Ein negativer Leitzins bedeutet für Banken, die ihr Geld bei der EZB lagern: Sie zahlen der EZB Zinsen für ihr Geld statt welche zu erhalten. Diese negativen Zinsen gaben die Banken nach und nach an ihre Kundinnen und Kunden weiter. In der Regel musstest Du eben diese -0,5 Prozent Strafzinsen auf Einlagen auf Deinem Giro- oder Tagesgeldkonto zahlen, die die EZB auch von den Banken verlangte – zum Teil schon ab sehr geringen Einlagesummen.
Seit dem 21. Juli 2022 ist der Leitzins erstmals wieder positiv. Der Grund: Die EZB will die hohe Inflationsrate in den Griff bekommen. Die Banken erhalten also wieder Zinsen für ihr bei der EZB geparktes Geld. Auch diese Entwicklung geben sie an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Die Verwahrentgelte fallen also nach und nach weg.
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Was tun, wenn meine Bank Minuszins verlangt?

Good to know: Das Verwahrentgelt können Banken zunächst nur von Neukundinnen oder Neukunden verlangen. Eröffnest Du ein Konto, stimmst Du mit Deinem Antrag den Preisen zu, die laut Preisverzeichnis für Dich gelten.
Anders sieht es aus, wenn Du schon Konten bei einer Bank hattest, bevor diese einen Minuszins veranschlagt hat. Eine Einführung ohne individuelle Benachrichtigung ist nicht rechtens, wie das Landgericht Tübingen urteilte.
Es gab jedoch Fälle, in denen Banken ihren Kundinnen und Kunden persönliche Briefe zukommen ließen, die über die Einführung eines Verwahrentgelts informierten. In diesem Fall steht es Dir frei, diese Vereinbarung nicht zu unterzeichnen. Dann gilt der negative Zinssatz erst einmal nicht. Ob die Bank den Vertrag mit Dir dann allerdings dauerhaft aufrecht hält, ist nicht gesichert.
Erhebt Deine Bank Negativzinsen, empfiehlt es sich, dass Du Dich nach alternativen Möglichkeiten der Geldanlage umschaust. Wir haben für Dich zwei Möglichkeiten recherchiert.

Möglichkeit 1: Investiere in Wertpapiere

Ab an die Börse! Denn da gibt’s noch Rendite auch für kleines Geld. Klar, der Wertpapierhandel ist nicht ohne Risiko. Allerdings hast Du Durch Deine Produktauswahl selbst in der Hand, wie viel Risiko Du eingehen willst.
Investierst Du beispielsweise in einen ETF, investierst Du indirekt in einen Index, zum Beispiel den DAX oder den US-amerikanischen S&P 500. Anders als bei der Investition in Einzelaktien hast Du Deine Anlagen mit nur einem ETF also direkt breit gestreut. Das Risiko eines Totalverlusts ist damit sehr gering.
Ähnlich breit streust Du, wenn Du Fondsanteile kaufst. Allerdings sind Fonds meist teurer als ETFs, weil sie aktiv gemanagt werden. Kaufst Du Einzelaktien, hast Du Chancen auf eine hohe Rendite. Mit dieser Chance steigt aber auch das Risiko, dass Du höhere Verluste machst.
Gut zu wissen:
Viele ETFs und Fonds sind sparplanfähig, meist bereits ab einer Rate von 25 Euro monatlich. Du schlägst also zwei Fliegen mit einer Klappe: Du kommst um die Negativzinsen herum und baust Dir gleichzeitig langfristig Dein Vermögen auf. Mehr zum Thema ETF-Sparplan.

Möglichkeit 2: Investiere in eine Immobilie

Neben einer Investition in Wertpapiere kann durch die vergleichsweise niedrigen Bauzinsen auch der Kauf oder Neubau einer Immobilie eine attraktive Möglichkeit sein, Dein Geld gewinnbringend anzulegen und gleichzeitig Negativzinsen zu sparen. Das nötige Kapital brauchst Du dazu allerdings auch, denn günstig zu haben sind heute die wenigsten Häuser und Grundstücke.
Kommt für Dich eine Investition in Immobilien in Betracht, schau Dich doch mal in unserem Bauzinsen-Vergleich
um. Hier findest Du seriöse Anbieter mit attraktiven Zinsen.

Girokonto, Tagesgeld, Depot: So kombinierst Du sinnvoll

Nicht nur für Deine Investitionen an der Börse, sondern auch, was Deine Anlagen insgesamt angeht, gilt: breit streuen. Im Idealfall hast Du Dein Geld so verteilt, dass Dein täglicher Zahlungsverkehr gewährleistet ist (Girokonto), Du für unvorhersehbare Ereignisse Rücklagen bilden kannst (Tagesgeld) und Du gleichzeitig Rendite erzielst (Depot). Mit unseren jeweiligen Testsiegern bist Du für das 3-Konten-Modell gut aufgestellt.
Sollten Dich die Angebote nicht überzeugen, dann schau gerne in unsere jeweiligen Vergleiche und stelle Dir Deine drei Konten selbst zusammen!

Unsere Girokonto-Testsieger:

Girokonto Aktiv
comdirect
50 € Bonus
4,5
Kontogebühr
ab 0,00 €
BestGiro
Santander
150 € Bonus
4,3
Kontogebühr
0,00 €
C24 Smart
C24 Bank
4,3
Kontogebühr
0,00 €

Unsere Tagesgeld-Testsieger:

Tagesgeld
Consorsbank
4,1
Zinsen jährlich
3,05 %
CashPlus
UnitPlus
4,3
Zinsen jährlich
2,98 %
Tagesgeldkonto
TF Bank
3,8
Zinsen jährlich
2,95 %

Unsere Depot-Testsieger:

Depot
Traders Place
4,5
Orderkosten pro Ausführung
ab 0,00 €
Smartbroker+
Smartbroker
4,5
Orderkosten pro Ausführung
ab 0,00 €
finanzen.net zero
finanzen.net zero
Prämie
4,5
Orderkosten pro Ausführung
ab 0,00 €
Häufig gestellte Fragen
Seit der Leizinserhöhung der EZB vom 21. Juli 2022 schaffen die meisten Kreditinstitute das Verwahrentgelt nach und nach ab. Bei welcher Bank Du nach wie vor Negativzinsen zahlst und ab welchem Betrag, entnimmst Du bitte den aktuellen Preis-/Leistungsverzeichnissen oder fragst direkt bei Deiner favorisierten Bank nach.
In der Regel sind Negativzinsen an eine bestimmte Einlagensumme gebunden. Erhebt Deine Bank beispielsweise Negativzinsen ab einer Summe von 100.000 Euro und Du hast über 100.000 Euro dort geparkt, musst Du Negativzinsen zahlen.
Wie hoch der Freibetrag ist, entscheidet jede Bank für sich. Bei manchen Kreditinstituten zahlst Du bereits ab einer geringen Einlagensumme, bei anderen ist der Freibetrag so hoch angesetzt, dass er die meisten Privatanlegerinnen und -anleger nicht betrifft. Viel Banken erheben aber auch gar keine Negativzinsen.
Bei den meisten Banken ist der Freibetrag mittlerweile sehr hoch angesetzt (500.000 Euro oder mehr) oder sie haben die Negativzinsen ganz abgeschafft. Vereinzelt wird das Verwahrentgelt aber weiterhin erhoben. Um sicherzugehen, dass Du bei Deiner Bank nicht zahlen musst, solltest Du in deren Preis-/Leistungsverzeichnis schauen oder direkt beim Kundensupport nachfragen.
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